Q+A mit Nicola Picone – EstateGuru’s Country Head Germany

Interview with Nicola Picone

Nach einem langwierigen Vorbereitungsprozess und einem langsamen, aber stetigen Eintreten in Europas größte Volkswirtschaft ist EstateGuru bereit, sein volles Serviceangebot in Deutschland offiziell zu starten.

Um mehr über diesen bedeutsamen und wichtigen Schritt für das Unternehmen zu erfahren, haben wir uns mit dem deutschen Country Head, Nicola Picone, zusammengesetzt, um die Details hinter dem Start, die Pläne für das Land und die Erwartungen von EstateGuru für die nächsten Monate zu erfahren.

F: Hallo Nicola, danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben in einer Zeit, die für Sie sicher sehr arbeitsreich sein wird. Zum Auftakt erzählen Sie uns bitte ein wenig über sich selbst und Ihren Weg zu EstateGuru.

A: Ich wurde 1990 in Rom geboren. In meiner Jugend war ich professioneller Schwimmer und nach einigen erfolgreichen und denkwürdigen Leistungen in ganz Europa beschloss ich, meinem Studium mehr Zeit zu widmen. Im Jahr 2014 erhielt ich meinen Master in Rechtswissenschaften und nach Abschluss meiner Dissertation zog ich nach Berlin, wo ich meine berufliche Laufbahn in der Immobilien- und Finanzbranche begann. Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass ich durch meine Unternehmens- und Beratererfahrung ein Transaktionsvolumen von rund 750 Mio. Euro vorweisen kann. Im Jahr 2019 beendete ich meinen MBA, ein Abschluss, der die Art und Weise völlig verändert hat, wie ich mein Berufs- und Privatleben betrachte. Jetzt bin ich voller Tatendrang, die spannende Expansion von EstateGuru nach Deutschland zu leiten. Ich genieße diese einzigartige Gelegenheit.

F: EstateGuru ist eigentlich schon seit einiger Zeit in Deutschland tätig, warum hat der offizielle Start so lange gedauert?

A: Mir gefällt an EstateGuru, dass sich das Unternehmen die Zeit nimmt, die Dinge auf korrekte und systematische Weise zu erledigen. Es wurden einige „Testgeschäfte“ gestartet, um den Markt zu prüfen, aber die Firma ist offiziell erst seit dem 15. Oktober 2020 aktiv. Aufgrund der üblichen Bürokratie und des Lizenzerwerbs dauerte es lange, die Grundlagen für die Markteinführung zu legen und eine Partnerschaft mit unserem Fronting-Servicepartner, der Varengold Bank, aufzubauen.

Das erste Projekt der neuen deutschen Niederlassung wurde am 5. November 2020 auf der Plattform veröffentlicht.

F: Warum sieht EstateGuru Deutschland als einen wichtigen Markt an?

A: Der deutsche Immobilien- und Investmentmarkt ist einer der größten und etabliertesten in Europa und man kann ihn sogar als einen der solidesten und wichtigsten Märkte der Welt bezeichnen. Bedenken Sie, dass selbst bei einer weltweiten Pandemie, wie wir sie derzeit erleben, die Zahlen bis Ende September 2020 zeigen, dass die Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte noch einen Rekord verzeichnete und insgesamt sogar der Zehnjahresdurchschnitt um 7 % überschritten wurde (Quelle: BNP Paribas Real Estate).

In Anbetracht des wirtschaftlichen Umfelds, das noch immer von den Auswirkungen der Corona-Pandemie gezeichnet ist, wird deutlich, dass die Investoren großes Vertrauen in den deutschen Markt und die deutsche Wirtschaft haben. Als paneuropäisches Unternehmen betrachtet EstateGuru den Auf- und Ausbau unserer deutschen Präsenz als einen entscheidenden Schritt in unseren langfristigen Wachstumsplänen.

F: Was unterscheidet Sie von anderen alternativen Finanzierungsmöglichkeiten in Deutschland? Warum sollte sich ein Kreditnehmer für EstateGuru und nicht für eine Bank entscheiden?

A: In Deutschland, dem Land der Banken, ist es nicht so einfach, einen Kredit zu bekommen. Ja, es stimmt zwar, dass es für langfristige Kredite einen attraktiv niedrigen Zinssatz gibt, aber die Kreditnehmer, die nach kurzfristigen Krediten suchen, gehören nicht zu den Profiteuren solcher Konditionen. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele dieser Kreditnehmer kleine oder mittlere Unternehmen sind und somit noch größere Schwierigkeiten haben, sich Zugang zu Krediten zu sichern.

Wir sind auch flexibler und gehen gerne auf die Bedürfnisse der Kreditnehmer ein, sodass sie mehr Optionen, Flexibilität und Möglichkeiten bei uns haben, statt bei einer Bank oder einem Private Equity-Partner.

F: Ihr Geschäftsmodell stützt sich sowohl auf Kreditnehmer als auch auf Investoren. Wie aktiv ist die deutsche Investorengemeinschaft?

A: Unsere Plattform ist ein ausgewogenes System, sie wächst organisch. Wenn wir mehr Kreditnehmer/Projekte bekommen, brauchen wir mehr Investoren; wenn wir mehr Investoren bekommen, brauchen wir mehr Kreditnehmer/Projekte und so weiter. Unsere deutsche Investorengemeinschaft bildet einen großen Teil unserer Anleger, sie ist sogar die größte Gemeinschaft bei EstateGuru. Sie sind sehr aktiv und an unserer Struktur interessiert. Wir glauben, dass diese Gemeinschaft nach unserer Markteinführung exponentiell wachsen wird. Auch sind wir auf der Suche nach institutionellen Investoren auf dem deutschen Markt, von denen einige uns bereits gute und positive Rückmeldungen gegeben haben.

Je größer der Markt, desto größer ist die Investorenbeteiligung und auch das entstehende Ökosystem.

F: Erwarten Sie, dass sich dies ändert, sobald die Plattform mehr deutsche Projekte anbietet?

A: Ich erwarte natürlich einen größeren Einfluss der deutschen Projekte auf die deutschen Investoren. Wahrscheinlich werden wir mehr deutsche Investoren bekommen, die nur in deutsche Projekte investieren, aber wir möchten auch betonen, dass die Diversifizierung, nicht nur in Bezug auf die Anlageklasse, sondern auch geographisch, wirklich wichtig und unser Wettbewerbsvorteil ist. Durch die Markteinführung in Deutschland werden automatisch mehr Investoren zu uns finden. Bislang haben wir nicht viel Marketing betrieben, um sie proaktiv für unsere Plattform zu gewinnen, da uns Marketingaktivitäten gesetzlich verboten waren. Eine großartige Sache ist, dass viele deutsche Finanz-Blogger uns von sich aus gefunden haben, auf uns zugegangen sind und für EstateGuru geworben haben, weil sie von dem Produkt wirklich begeistert waren. Sie haben also in unserem Namen auf eine sehr positive Art und Weise Marketing betrieben.

F: Was macht EstateGuru für Investoren attraktiv?

A: EstateGuru ist cooler als die Konkurrenz. Das ist der erste Eindruck, den ich durch meine Investitionen bei EstateGuru erhalten habe. Das war noch bevor ich mit dem Unternehmen über meine neue Arbeitsgelegenheit Kontakt aufgenommen habe. Ich denke, es funktioniert ziemlich intuitiv und schnell. Es gibt viele Optionen und Möglichkeiten sowie unseren erstklassigen Kundenservice. Wir haben eine großartige Betreuung und Plattform – die Zahlen spiegeln dies wider – nicht nur wegen der hohen Renditechancen, sondern auch wegen der gebotenen Sicherheit.

F: Welche Herausforderungen sehen Sie in der Etablierung von EstateGuru in Deutschland?

A: Deutschland ist ein Niedrigzinsmarkt, daher wird es schwierig sein, die Kreditnehmer von unserem Produkt zu überzeugen, die gute Kontakte zu Banken haben. Die Bürokratie ist ein Berg, den man jedes Mal aufs Neue erklimmen muss, aber wir sind gut aufgestellt, um auch damit umzugehen. Wir treten in einer schwierigen weltwirtschaftlichen Situation in einen neuen Markt ein, aber glauben, dass dies unser Marktvorteil und auch ein Plus für unsere Anleger ist, die auf einfache und sichere Weise investieren können, da wir es von der Kreditnehmerseite her mit Unternehmen und nicht mit Privatpersonen zu tun haben und der Immobilienmarkt, wie ich bereits sagte, nicht allzu sehr unter dem Coronavirus gelitten hat.

F: Glauben Sie, dass die Tatsache, dass EstateGuru ein estnisches Unternehmen ist, Ihre Bemühungen unterstützen oder behindern wird?

A: Wir können EstateGuru nach 7 Jahren Tätigkeit in ganz Europa nicht mehr als ein rein estnisches Unternehmen definieren. Wir sind ein großes Team von Experten, die aus vielen verschiedenen Ländern und mit vielen verschiedenen Erfahrungen kommen. Ich möchte uns als Europas führende Plattform für alternative Finanzierungen hervorheben, und ja, unser Hauptsitz befindet sich in Tallinn. Als Fintech-Unternehmen können wir aber besonders stolz darauf sein, in der Welthauptstadt der Fintech-Unternehmen gegründet worden zu sein.

Kontinuierlich in den Top 100 der weltweit führenden Fintech-Unternehmen erwähnt zu werden, gibt an sich schon eine Antwort auf die Frage. 

F: Welchen Einfluss werden Ihrer Meinung nach die kommenden EU-Regelungen für Crowdfunding/alternative Finanzierungen auf Ihre Wachstumsbemühungen in Deutschland haben?

A: Diese neue Regelung wird uns massiv helfen. Wir werden in der Lage sein, unsere Strategie zu ändern, unsere tatsächlichen Kosten zu senken und einige weitere Dinge. Wir alle warten sehnsüchtig darauf. Das Wachstum wird wahrscheinlich nicht nur für Deutschland exponentiell sein, sondern auch für EstateGuru als Ganzes und in allen unseren operativen Märkten, was uns die Möglichkeit gibt, neue großartige Dienstleistungen für alle unsere Kunden und Partner zu schaffen.

F: Vielen Dank für Ihre Zeit, Nicola, und viel Glück bei der Markteinführung.