Fragerunde mit Matti Vansen – EstateGuru-Landesleiter in Finnland

Matti Vansen interview

Nachdem EstateGuru nun offiziell als Crowdfunding-Betreiber in Finnland aktiv ist, erörtert Landesleiter Matti Vansen die Herausforderungen und Chancen einer Expansion in diesen neuen Markt.

Es dauerte über ein Jahr der Vorbereitung und Planung, um endlich die Lizenz zu erhalten, aber Vansen ist davon überzeugt, dass sich die Mühe gelohnt hat und Finnland bereit für den größten Immobilien-Investmentmarktplatz Kontinentaleuropas ist.

F: Sie sind in Finnland bereits seit einiger Zeit in kleinem Umfang tätig. Warum erfolgt der offizielle Start erst jetzt?

Matti Vansen: Wir haben die Crowdfunding-Lizenz vor einiger Zeit beantragt und sie nun endlich erhalten. Der Prozess mit der finnischen FSA hat eine ganze Weile gedauert. Wie Sie wahrscheinlich wissen, dauern Vorhaben in Verbindung mit Regierungen in der Regel länger als erwartet. Das Gute daran war jedoch, dass uns die Gesetzgebung in Finnland immer noch die Möglichkeit offenhielt, gelegentlich Crowdfunding zu betreiben, welche wir auch genutzt haben. Wir konnten Finanzierungen durchführen und haben auch schon 420 Investoren aus Finnland für uns begeistern können. Das Hauptproblem lag darin, dass wir keine Marketingaktivitäten durchführen durften. Somit sind wir jetzt bereit, mit dem Marketing zu beginnen.

F: Warum sieht EstateGuru Finnland als einen wichtigen Markt an?

MV: EstateGuru verfolgt eine Expansionspolitik und plant, in Ländern zu starten, die eine geeignete rechtliche und regulatorische Struktur haben, wenn es um Crowdfunding geht. Darüber hinaus erfordert unser Geschäftsmodell auch eine bestimmte rechtliche Struktur rund um Grundschulden und die Möglichkeit, externe Partner wie Anwälte und Immobiliengutachter einzusetzen. Wir würden auch nicht in ein Land expandieren, das strenge Beschränkungen für Crowdfunding vorsieht. Es ist immer einfacher, in einen Markt einzutreten, in dem es bereits Crowdfunding-Akteure gibt. Die Kehrseite davon ist natürlich, dass wir uns in dem Fall speziell genug positionieren müssen, sodass wir für den Markt attraktiv sind.

F: Was wird EstateGuru Ihrer Meinung nach von den Konkurrenten in Finnland abheben? Warum sollten sich Investoren für EstateGuru und nicht für andere Crowdinvesting-Plattformen entscheiden?

MV: Der Hauptunterschied für Investoren besteht darin, dass wir ein sehr gutes Risiko-Ertrags-Verhältnis bieten, was bedeutet, dass wir erstrangige Verwertungsansprüche haben und eine hohe Rendite erzielen. Die meisten der bestehenden Crowdfunding-Anbieter auf dem finnischen Markt bieten unbesicherte Kredite nur mit persönlichen Bürgschaften bei einer Rendite von 6–8 % an. Außerdem gibt es statistisch hohe Ausfallraten, die das Vertrauen des Marktes in die Branche geschwächt haben. 

F: Erwarten Sie ein schnelles Wachstum der finnischen Investorenzahlen, sobald Sie mehr finnische Projekte auf der Plattform haben?

MV: Ich sehe unseren Start hier als einen riesigen Bonus an. Unser Ziel ist, bis Ende des Jahres 1.200 finnische Investoren zu haben. Trotz des langwierigen Lizenzprozesses bin ich dennoch zuversichtlich, dass wir es erreichen werden. Wie gehen wir dabei vor? Durch Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und indem wir finnische Projekte von hoher Qualität auf der Plattform anbieten. Wir haben die Grundlagen geschaffen und sind nun bereit, einen konstanten Strom an finnischen Projekten aufzuschalten. Ich hoffe wirklich, dass dies dazu beitragen wird, finnische Investoren zu überzeugen.

F: Glauben Sie, dass die Tatsache, dass EstateGuru ein estnisches Unternehmen ist, Ihnen in Finnland helfen oder sie dort behindern wird?

MV: Natürlich ist die Wahrnehmung der baltischen Unternehmen in Finnland ein schwieriges Thema, um ehrlich zu sein. Die Finnen neigen dazu, nur sich selbst zu vertrauen, denn es sind mehrere Betrügereien aus dem Baltikum bekannt, die das Vertrauen in den Sektor beeinträchtigt haben. Aber in den letzten Jahren haben die Finnen auch zugeben müssen, dass viele gute Unternehmen aus Estland Fuß gefasst haben, was ich als einen Bonus ansehe. Das schafft mehr Vertrauen. Aber natürlich ist es immer einfacher, aus Schweden oder Norwegen heraus zu expandieren als aus dem Baltikum. Wir haben ein sehr gutes finnisches Team mit umfangreicher Erfahrung im Crowdfunding-Bereich aufgebaut und wissen, wie der Markt funktioniert. Ich bin zuversichtlich, dass wir Vertrauen schaffen können, wozu auch unsere kürzlich gewährte Crowdfunding-Lizenz einen großen Beitrag leistet. Die Finnen führten eine sehr gründliche Untersuchung unseres Unternehmens, unserer Prozesse und aller anderen relevanten Themen durch. Nach Ansicht der finnischen FSA entsprechen wir ihren Standards.

F: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für EstateGuru in Finnland?

MV: Aus einer allgemeinen Marktperspektive betrachtet beginnen wir wegen der Branchen-Rufschädigung durch Betrügereien nicht bei null, sondern im negativen Bereich. Daher würde ich sagen, dass die Vertrauensgewinnung der finnischen Bevölkerung unsere größte Herausforderung sein wird. Unseren Ruf als transparentes, vertrauenswürdiges Unternehmen zu etablieren, wird Zeit brauchen. Zum Glück sind wir wirklich transparent, denn wir legen geprüfte Jahresberichte vor, pflegen ein frei zugängliches Kreditbuch und eine ehrliche, offene Berichterstattung über alle Aspekte des Unternehmens.

F: Gibt es sonst noch etwas, das Ihrer Meinung nach eine Herausforderung darstellt?

MV: Was ich jetzt sage, klingt ziemlich ironisch. Weil wir ein so geringes Risiko bei einer hohen Rendite haben, neigen die Leute oft zum Gedanken, dass unser Angebot zu schön ist, um wahr zu sein. Sie erwarten, dass es einen Haken oder Kleingedrucktes gibt. Aber die Wahrheit ist, dass EstateGuru vollkommen transparent agiert. Jeder Investor kann alle Informationen erhalten, die er oder sie wünscht. Wir verheimlichen weder die Ausfallraten noch unseren Eintreibungsprozess, und unsere Erfolgsbilanz spricht für sich selbst. Investoren können historische Statistiken einsehen und die Renditen leicht nachvollziehen. Das ist etwas, woran finnische Investoren nur schwer glauben können. Diese sind es gewohnt, 5–6 % als hohe Rendite anzusehen. Die Leute fragen auch, warum Unternehmen zu uns und nicht zu den Banken kommen, wenn sie Kredite benötigen. Natürlich sind wir schnell, flexibel und transparent für die Kreditnehmer, aber es gibt auch ein sehr reales Dilemma bei Banken, denn sie sind nicht bereit, ein Projekt z. B. gegen ein Grundstück zu finanzieren. Die Banken hegen auch eine große Abneigung gegen Stufenfinanzierungen, welche jedoch zu unseren erfolgreichsten Tätigkeitsfeldern gehören. 

Zwar sind die Banken offen für Betriebsmittelkredite oder Überbrückungsfinanzierungen, aber bei der Entwicklungsfinanzierung stellen sie sich stur. Wir sehen uns nicht in Opposition zu den Banken, sondern eher als Kooperationspartner, d. h. wir finanzieren die Anfangsphasen eines Entwicklungsprojekts, bis es für eine Bank refinanzierbar wird. Tatsächlich werden die meisten Kredite von EstateGuru nicht vom Kreditnehmer zurückgezahlt, sondern von den Banken, die die Projekte schlussendlich finanzieren, sobald diese weit genug fortgeschritten sind.

In Finnland konsolidieren die Banken auch ihre Unternehmensbilanzen, was bedeutet, dass sie keine Unternehmensfinanzierungen mehr durchführen möchten, weil sie darin ein höheres Risiko sehen als im Sektor der Wohnungsbaukredite für Privatkunden. 

Wenn es um KMU geht, sind die Unternehmen, denen es gelingt, sich Bankkredite zu sichern, oft diejenigen, die sie am wenigsten brauchen. 

F: Vielen Dank für Ihre Zeit, Matti, und viel Glück bei der Markteinführung.

MV: Danke, jetzt ist eine wirklich aufregende Zeit für alle bei EstateGuru.